Garten-Festival mit Lichtplattform Wolkenhain

21 August 2017

Künstliche Beleuchtung korrespondiert mit Himmelslicht

Bis Oktober ist Berlins östlichster Stadtbezirk Standort für die Internationale Gartenaus­stellung (IGA), zu der rund zwei Millionen Gäste aus Europa erwartet werden. Die neue Parklandschaft, welche die Grün Berlin GmbH im Auftrag des Bezirksamts Marzahn-Hellersdorf realisierte, breitet sich in einem reizvollen Landschaftsraum rund um die international bekannten „Gärten der Welt“, den bewaldeten Kienberg und Teile des wasserreichen Wuhletals aus. Die Gestaltung des rund 100 Hektar großen Ausstellungs­geländes folgt dem Entwurf von geskes.hack Landschaftsarchitekten, VIC Brücken und Ingenieurbau und den Berliner Architekten Kolb Ripke. Eine besondere Rolle für die IGA spielt der Kienberg, da dessen offenes Gipfelplateau das bei eingeschalteter Beleuchtung weithin sichtbare, markante Aussichtsbauwerk Wolkenhain und somit quasi die Visitenkarte des größten Garten-Festivals in Deutschland aufnimmt. 

Für den Wolkenhain, der das Zentrum und den Orientierungspunkt für das gesamte IGA-Areal darstellt und somit Bedeutung als stadträumliche Marke erlangt, entwarfen die in Berlin ansässigen Architekten Kolb Ripke eine Form, die sich an den Sichtachsen orientiert. Gäbe es nicht den natürlichen Bewuchs, hätten sich dem Auge vom Kienberg-Plateau weite Pano­ramen von Marzahn-Hellersdorf bis in das Berliner Zentrum geöffnet. So lag die Entwicklung einer Lösung nahe, bei welcher der Schauende zugunsten eines freien Blicks bestenfalls weit über den Baumkronen schwebt. Dieser Leitgedanke führte zu der Metapher einer Wolke, welche die inhaltliche Bedeutung des Kienbergs als Hintergrund für vielfältige Assozi­a­tionen überhöht. Anders als ein vertikal orientierter Aussichtsturm bietet der etwa 30 Meter hohe, begehbare Wolkenhain horizontale Bewegungsmöglichkeit auf unterschiedl­ichen, den Sichtachsen angepassten Niveaus. Durch das Verjüngen und Aufweiten aller Flächen vermittelt die Wolke dem Besucher in ihrer plastischen Struktur den Bezug zur Komplexität natürlicher Strukturen.

Die polygonale, in Reminiszenz an einen Baumhain auf schlanken, unregelmäßig angeord­ne­ten Stahlstützen ruhende Unterkonstruktion, die aus 170 Stahlknoten eine Raumstruktur bildet, wird von einem weißen, transluzenten Gewebe umhüllt, welches den erstaunlich leichten Eindruck des Bauwerks stärkt. Die von der Stahlstruktur getragene, von einem Geländer aus Flachstahl mit Handlauf eingefasste Aussichtsplattform erreicht der Besucher über einen großzügigen Treppenaufgang. Mobilitätseingeschränkten Gästen steht ein Auf­zug zur Verfügung, wenn sie das IGA Gelände aus insgesamt ca. 130 Metern Höhe überblicken und die bis zu 50 Kilometer weite Fernsicht genießen wollen. glühen und zeigt sich fortan in der Dunkelheit als weithin sichtbarer Leuchtkörper in lachs, kaltweiß oder blau, bis sein Licht um Mitternacht ausgeschaltet wird. Statische Szenen sind ebenso hinterlegt wie diverse Loops, die dynamische Farbwechsel, Pulsieren oder das Durchwandern einer Farbe durch den weißen Lichtraum darstellen. Die vielfältige Programmierung erlaubt täglich ein anderes Schauspiel.
Alle Maßnahmen zur IGA wurden von den Naturschutzverbänden begleitet, denn die Umweltverträglichkeit stellte die größte Prämisse dar. Anders als ultraviolettes Licht mit seinen nicht sichtbaren Wellen beeinträchtigt LED-Licht in keinster Weise den Biorhythmus von Vögeln. Auch die Verträglichkeit für Insekten wird dieser Lichtquelle bescheinigt. Nach Ende der IGA wird der Wolkenhain als öffentlich begehbare Aussichtsplattform bestehen bleiben und den Menschen auch aus der Ferne weiterhin als Landmarke und Kunstobjekt Freude bereiten. 

 

Daten

Bauherr: Grün Berlin GmbH

Architekten: Kolb Ripke Architekten Planungsgesellschaft mbH, Berlin, kolbripke.de

Projektleitung: Henry Ripke, Marcel Linke

Bauleitung: Oliver Kirchhof, Marko Augustat & Partner

Lichtplanung: Schlotfeldt Licht, schlotfeldtlicht.de

Projektleitung: Torsten Rullmann

Programmierung: Andreas Barthelmes,

LightLife Gesellschaft für audiovisuelle Erlebnisse mbH, Berlin, lightlife.de

Leuchten: iguzzini illuminazione, iguzzini.com

Galerie