Portrait Peter Schmidt

28 August 2017

Portrait Peter Schmidt
Meister der Lichtstimmung

Wo wir auch hinschauen, es ist grafisch gesehen die Welt von Peter Schmidt. Der 1937 in Bayreuth geborene Grafik-Designer erklärt uns täglich auf unseren Flugtickets, auf Chipstüten und eleganten Parfum-Flacons und vielem mehr wie die Konsumwelt aussehen darf oder sollte. Nun kommt die Gestaltung mit Licht dazu, denn Licht-Ambitionen schlummern im Mann mit ganz vielen Eigenschaften schon seit Jahren. Wir können schon jetzt behaupten, dass Peter Schmidt ein neuer Hamburger Lichtgestalter ist, der mit viel Erfahrungswissen über diverse Lichtstimmungen erzählen kann.

ALS Designer versteht sich Peter Schmidt gar nicht, eher als Gestalter. Das deutschsprachige Wort Gestalter treffe es besser, so der Grafikpapst aus Hamburg als er mich zum Tisch aus Holz führt in einen Besprechungssaal rund herum mit Glaswänden abgeschottet. Direkt in Hamburgs neuem HafenCity-Areal gelegen, direkt gegenüber vom maritimen Museum, zwischen der Hongkongstrasse und der Elbpromenade müssen einem Grafik-Meister die Ideen nur so zufliegen, denke ich. Fast, denn der Gestalter nimmt sich die Freiheit und kehrt morgens um 7:30 Uhr auf dem Weg zur Arbeit auch wieder um und kommt gar nicht. Das Grafikdesign der Welt finde in seinem Kopf ständig statt und die Aufgaben bzw. Anfragen sind weltweit getaktet. Kreative Blockierungen gäbe es zu Hauf auch mit schöner Aussicht. Eine kleine Schar von professionellen Mitarbeitern, ebenfalls Gestalter und Kaufleute, wirbeln um ihn herum und organisieren für ihn. Doch so recht lässt sich der Mann, der Lithographie gelernt hat, mit Drucktechniken und Papier seine ersten Erfahrungen in der Welt des Grafik-Designs gemacht hat, und elegante Parfum-Flacons entwickelt hat, nicht bändigen. Er ist immer unterwegs, es hält ihn nicht lange auf einer Sitzfläche.

Lichtafinität und Wohnlichtstimmungen
Das Tageslicht flutet überall durch das Büro. Es soll es, es darf, erklärt der Gestalter. Das macht einen Architekturjournalisten stutzig. Geht es bei Peter Schmidt auch um Licht? Dann müsste es also auch einen Peter Illuminator geben? Und richtig. Licht bedeutet Leben für ihn. Lichtstimmungen ziehen sich über den ganzen Tag, sagt er. Besonders das natürliche Licht am Morgen, wenn es langsam hell wird, sei für ihn das klarste und schönste Licht überhaupt. Diese Lichtstimmung kann er nur jedem empfehlen. Der Frühaufsteher liebt es, in seinem Haus auf Ibiza über dem Wasser die Sonne aufgehen zu sehen und zu frühstücken.

Für Peter Illuminator ist Lichtdesign eine Erfahrungswissenschaft von Lichtstimmungen. Das künstliche Licht betont einzusetzen, hat er bei seiner Arbeit als Bühnenbildner mit John Neumeiers Hamburg-Ballet, dem Schleswig-Holstein-Festival und Deutschlands grösstem privaten Theater, dem Ernst Deutsch Theater in zahlreichen Aufführungen gelernt und famos angewendet. Als Architekt Peter Schmidt gestaltete er das Foyer der Hamburger Staatsoper, die Konzerthalle in Bamberg, das Restaurant Juchheim in Japan. Immer war das künstliche Licht bereits ein ständiger Begleiter in seiner Gestaltung gewesen. Sein letzter grosser Coup war die Entwicklung der Prana für den Leuchten-hersteller Easylux. Es gibt sie als Steh- und Pendelleuchte für Büros. Ein filigranes Meisterwerk mit versteckter raffinierter Technik im Innenteil. Auch Objekte wie ein Restaurant stehen ständig auf seiner internen Agenda. So hasse er es, wenn zu wenig oder zu viel Licht vorhanden sei. Es kommt immer wieder vor, dass er zwar die Küche schätzt, aber wegen des Lichts und der nicht harmonischen Lichtstimmung kurzerhand aufsteht und das Restaurant verlässt. Nicht so beim Restaurant StrauchsFalco in Hamburg, seinem letzten Lichtprojekt. Hier entwickelte er eine indirekte Deckenleuchte, die aus einzelnen Quadraten abgeblendet das Licht auf die Tische bringt. Jeder Tisch wurde bei dieser Entwicklung von ihm persönlich ausprobiert und gegebenenfalls die Beleuchtung korrigiert. Dass das Licht am Abend per Dimmer abgedunkelt wird, ist für Lichtgestalter Peter Schmidt selbstverständlich, aber kein Muss. Es komme immer auf die Gegebenheit an. Um eine passende Lichtstimmung zu erzeugen, braucht es kreativen Freiraum. Licht sollte deshalb nicht nur durch programmierte Lichtszenen entstehen.

Neue Lichtideen
Eine ganze Reihe von neue Lichtideen sprudeln bereits im Kopf des Lichtgestalters: Er würde im Auto mit LED vernünftiges Licht einbauen, anstatt das Lichtchaos auch in gehobenen Marken zu verursachen. Die Inneneinrichtungen von Yachten liegen ihm ebenfalls am Herzen. Und Badezimmer bräuchten endlich Lichtszenarien für morgens und abends. Schliesslich sei ein Mensch in diesen Tagesphasen anders mit sich beschäftigt. Architektonische Fassadenbeleuchtungen im Aussenbereich seien ein ständiger Graus für ihn, besonders wenn die Farben violett, blau oder rot daherflackern. So bewegt ihn die Frage: »Warum gibt man dem Gebäude nicht seine Grundfarbe und setzt die gewählten Farben des Architekten fördernd, abmildernd oder stimmig um bei einer Aussenanstrahlung?« Der Lichtgestalter Schmidt aus Hamburgs HafenCity ergänzt, dass der Einsatz von Licht und Farbe eigentlich noch gar nicht richtig durchdiskutiert wurde.

Ausblick: Eine Entdeckung
So sehen wir den Gestaltungs-Professor Peter Schmidt auf einem hervorragenden Weg, auch ein perfekter Lichtgestalter zu werden. Lichtkonzeptpläne hat er genug und Anfragen ebenfalls. Ist ein neuer Multi-Gestaltungs-Illuminator nun geboren? – Nein, Peter Schmidt hat den Bereich Licht längst für sich entdeckt und baut ihn kreativ aus und die luxlumina hat es gemerkt. Wir wünschen dazu immer eine handbreit Licht unter dem Kiel.

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