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SWATCH: Tempel mit viel Tageslicht - Grossartig!

18 Oktober 2019

Nach fast fünf Jahren Bauzeit weihte Swatch seinen neuen Hauptsitz in Biel ein – eine der weltweit grössten Holzkonstruktionen aus der Feder des japanischen Stararchitekten Shigeru Ban

luxlumina Redaktion: "Innovatives Bürolicht: Ein Fest des Tageslichts wird wahr. Die relativ wenigen Glasfenster-Waben ergeben, je nach Sonnenenstand wandernde ikonische Lichtzeichen auf dem Boden. Eine durchaus poetische Übersetzung des Tageslichts ins Gebäude. Ob diese Wabenauswahl Shigeru Ban persönlich ausgewählt hat, ist nicht bekannt."

Bauherr: Swatch Group, Nicolas G. Hayek
Architekt: Shigeru Ban
Lichtplanung: reflexion
Redaktion: Sven Horsmann, Thea Lenning

Selten gibt es architektonische Grossereignisse, die das Tageslicht so verknüpfen. Die Holzkonstruktion ist geschwungen rund angelegt und ergibt eine Kubatur in der diverse Büroebenen eingezogen wurden. Das Tageslicht kann, darf, soll, muss durch die geschwungenen Holzrauten ins Gebäude eindringen. Es ist ein Fest des Tageslichts.

Tages-Lichtkonzept
Insgesamt 4 Büroebenen sind im Holzgebäude untergebracht. Glaswände zeichnen die Büros aus, damit reichlich Tageslicht dort eindringen kann. Die Hülle ist durchsetzt mit opaken Rauten oder Waben , die diffuses Tageslicht ins innere des Gebäudes strömen lassen. Das reguläre opake Element stellt die Mehrheit der Waben dar. Es handelt sich um ein geschlossenes Element mit extrem witterungsbeständiger und lichtundurchlässiger Aussenfolie, das in erster Linie als Sonnenschutz dient. Einige dieser Elemente lassen sich zur Entrauchung öffnen, während andere mit Fotovoltaikzellen versehen sind. Das transluzente Kissenelement wiederum ist mit Luft aufgepumpt und in der Mitte zur Wärmedämmung mit lichtdurchlässigen Polycarbonate-Platten versehen. Die Kissen, die auch einer Belastung durch Schnee oder Eis gewachsen sind, werden ständig leicht belüftet, damit sie dauerhaft unter Spannung stehen. Das transparente Element besteht aus durchsichtigem Glas. Zum Wärmeschutz wurden insgesamt vier Glasscheiben eingesetzt, zwischen die ein weisses Rollo eingelassen ist. Auch diese Elemente werden immer leicht belüftet, damit sich kein Kondensat bilden kann. Noch während die Holzkonstruktion errichtet wurde, begann der Einbau der insgesamt rund 2‘800 Wabenelemente, die den grössten Teil der Fassade ausmachen. Jedes Element wurde aus bis zu 50 Einzelteilen sorgfältig massgeschneidert und seiner individuellen Funktion und Position angepasst. Drei Arten von Waben lassen sich grundsätzlich unterscheiden: das opake, das transluzente und das transparente Element und asymetrische Glasfenster, die mit Textilverschattung arbeiten. Die relativ wenigen Glasfenster ergeben, je nach Sonnenenstand wandernde Lichtzeichen auf dem Boden. Eine durchaus poetische Übersetzung des Tageslichts ins Gebäude. Ob diese Auswahl Shigeru Ban persönlich ausgewählt hat, ist nicht bekannt.

Künstliches Lichtkonzept
LED Downloads sind in den nichtdurchlässigen Waben verbaut worden und strahlen senkrecht ausgerichtet auf den Boden. Zusätzliche Stehleuchten mit direktem und indirektem Licht bevölkern die Bürotische. Ausgewählte dekorative Leuchten mit rundem Leuchtschirm werden für die Pausenräume bzw. Café eingesetzt. Fokussierte Strahler beleuchten Regale an weissen Wänden. Einzige Farbspiele sind durch das Mobiliar ausgespielt. Der Boden ist mit einem grauen Teppich ausgelegt. So kann das Lichtvolumen insgesamt effizient gewählt werden. (Genaue Daten lagen z.Z. -17.Okt.2019- nicht vor Anmerk.d.R.)

Konstruktion
Mit einem ausgeklügelten Steckprinzip wurden die einzelnen Balken passgenau miteinanderverbunden. Da die Holzgitterschale des Swatch Gebäudes als grossflächige Bürofassade dient,musste sie zudem verschiedenen technischen Anforderungen gerecht werden. Ein komplexes Geflecht aus Leitungen ist diskret in ihre Struktur integriert. Ausschliesslich Holz aus Schweizer Wäldern, davon hauptsächlich Fichtenholz, kam beim Bau zum Einsatz. Insgesamt wurden knapp 1‘997 Kubikmeter davon benötigt – eine Menge, die im Schweizer Wald in weniger als 2 Stunden wieder nachwächst.

Gebäudeinnere
Im Inneren des Gebäudes verteilen sich insgesamt 25’000 mÇ Geschossfläche auf 5 Stockwerke für alle Abteilungen von Swatch International sowie Swatch Schweiz. Die Fläche der 4 oberen Etagen verringert sich schrittweise von Etage zu Etage. Galerien mit Glasbrüstungen ermöglichen einen Blick auf die unteren Etagen. Neben den regulären Arbeitsplätzen sind über das ganze Gebäude Gemeinschaftsflächen verteilt: eine Cafeteria im Erdgeschoss, die allen Swatch Angestellten und ihren Besuchern offensteht, sowie kleine Pausenzonen an verschiedenen Stellen im Gebäude. Wenn Privatsphäre benötigt wird, stehen separate «Alcove Cabins» zur Verfügung, in denen bis zu sechs Mitarbeiter Platz finden für Telefongespräche oder konzentriertes Arbeiten. Eine besonders ungewöhnliche Installation befindet sich ganz am Ende des zweiten Stockwerks: eine Treppe ins Nichts – sogenannte «Reading Stairs», deren Stufen und Ausblicke in Kreativpausen zum Brainstorming unter Kollegen einladen. 5 schwarze Olivenbäume erstrecken sich bis zu 2 Stockwerke in die Höhe. Der immergrüne Bucida buceras fühlt sich bei Raumtemperatur äusserst wohl und behält das ganze Jahr über seine feinen Blätter. Das Untergeschoss erstreckt sich über die gesamte Länge des Gebäudes. Hier verbirgt sich neben Technikräumen, Lüftungszentrale und Archiv auch die Tiefgarage mit 170 Autostellplätzen und 182 Velostellplätzen.

Lobby
Der zur Nicolas G. Hayek Strasse hin ausgerichtete komplett verglaste Eingangsbereich zeichnet sichdurch grosszügige Dimensionen sowie Transparenz, Offenheit und Helligkeit aus. Die Zickzackformist der Holzgitterstruktur der Fassade geschuldet, spielt aber auch eine Rolle für die Gebäudephysik, etwa für Windlasten. Diese Zickzackverglasung beginnt in 5,5 m Höhe und erstreckt sich bis auf über 27 Meter Höhe. Unterhalb dieser Verglasung schliessen sich aus der Industrie bekannte Hubstaffeltorean, die sich automatisch öffnen und schliessen lassen – eine gläserne Jalousie, die Wind und Regenstandhalten und angemessen isolieren muss. Zwei gläserne Aufzüge bringen Mitarbeiter und Besucherin die oberen Stockwerke und zur ebenfalls gläsernen Fussgängerbrücke im 3. Stock, die das Swatch Gebäude mit der Cité du Temps verbindet. Galerien auf drei Stockwerken bieten Aussicht auf den Eingangsbereich.

Energie
Mit einer cleveren Grundwassernutzung zur Beheizung und Kühlung des Gebäudes sowie mit Solarstrom aus der Fotovoltaikanlage wird massgeblich zu einer optimalen CO2 Bilanz beigetragen. Von Velospots und Ladestationen über intelligente Verdunkelungen und Verglasungen, von LED Leuchten und hocheffizienten Lüftungen bis zur thermischen Bauteilaktivierung und papierlosem Büro: Dank modernster Technik und viel Know-how zeigt das neue Swatch Gebäude, dass modernes Bauen und modernes Arbeiten im Einklang mit der Natur stehen können.  Das Energiekonzept beruht auf Solartechnologie und Grundwassernutzung und ermöglicht es, Gebäudefunktionen wie Lüftung, Kühlung, Heizung und Grundbeleuchtung sowohl für den Swatch Hauptsitz als auch für die Cité du Temps autonom zu betreiben. Dabei sichert das Grundwassernutzungskonzept die Beheizung und Kühlung des neuen Swatch Gebäudes. Swatch teilt sich die Ressourcen gemeinsam mit der benachbarten Cité du Temps und der neuen Omega Manufaktur, die 2017 in Betrieb genommen wurde. Neun unterirdische Brunnen sowie zwei ehemalige Öltanks, die zu Wasserspeichern umfunktioniert wurden, sind auf dem gesamten Areal verteilt. In die Wabenstruktur der Fassade wurden 442 individuell gefertigte, gebogene Solarelemente eingesetzt. Mit 1‘770 m2 installierter Fotovoltaik werden pro Jahr rund 212,3 MWh Strom gewonnen, was dem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 61 Haushalten entspricht. 

 

DATEN neues Swatch HQ

Architekt: Shigeru Ban (*1957 in Tokyo/Japan, Gewinner des 36. Pritzker-Preis)

 

Fassade:

- 11’000 qm Fassadenfläche

- 4’600 Balken aus 100 % Schweizer Holz

- 2’800 Wabenelemente mit bis zu 50 Einzelteilen

- 9 Balkone zwischen 10 qm und 20 qm

 

Lobby:

- 22 Meter Höhe

- Zickzackverglasung ab 5,5 Meter Höhe, Höhe 22 Meter

- 1 T Gewicht eines Glastores am Eingang

 

Gebäude:

- 240 Meter lang, 35 Meter breit, 27 Meter hoch

- 25’000 qm Fläche auf 5 Stockwerken

- 5 schwarze Olivenbäume (Bucida buceras)

- Tiefgarage mit 170 Autostellplätzen und 182 Velostellplätzen

 

Nachhaltigkeit:

- 100 % Schweizer Holz, hauptsächlich Fichtenholz

- 1’997 Kubikmeter verbautes Holz: Eine Menge, die in weniger als 2 Stunden in Schweizer Wäldern wieder

nachwächst

- Beheizung und Kühlung des Gebäudes durch Grundwasserpumpsystem für Swatch, Omega und Cité

du Temps mithilfe von 9 unterirdischen Brunnen und 2 ehemaligen Öltanks, die zu Wasserspeichern

umfunktioniert wurden

- 442 gebogene Solarelemente, 1’770 qm installierte Fotovoltaik

 

Aussenanlage:

- Grünanlage mit mehr als 120 neu gepflanzten Bäumen

- Verkehrsberuhigte Zone mit max. 30 km/h

- Weltweit erster Swatch Drive-Thru Store

- Velospot-Stationen (Veloverleihsystem der Stadt Biel)

 

Cité du Temps (Nebengebäude):

- 80 Meter lang, 17 Meter breit, 28 Meter hoch

- Erdgeschoss mit 14 Arkaden mit einer Spannweite von 15 Metern und Breite von 5 Metern

- Planet Swatch und Omega-Museum auf zwei Etagen

- Ellipsenförmige Conference Hall in der vierten Etage mit Gesamtkapazität für bis zu 400 Personen

- 700 qm Mosaikfläche mit ca. 1,5 Mio. Mosaiksteinen

 

Galerie