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luxlumina Fachumfrage Architektur & Licht

«Ab wann wird Licht in ihren Architektur-Projekten wichtig?»
Architekten 
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Stefan Rappold, Partner bei Behnisch Architekten, Stuttgart
Durch Licht wird unsere Umwelt erst erkennbar und erlebbar. Tages- und Kunstlicht beleuchten das fertiggestellte, gebaute Ergebnis eines Entwurfs- und Planungsprozesses. Eine schöne und unerwartete Lichtstimmung kann so zu einer einzigartigen Inszenierung beitragen. Es wäre jedoch unzureichend und nahezu fahrlässig die differenzierten Aspekte und Charaktere von Licht im Planungsprozess lediglich aus dem Blickwinkel des „in Szene setzens“ einer Außenansicht zu berücksichtigen. Allzu wertvoll und überaus schätzenswert ist Licht als „frei-haus“ gelieferte Mitgift. Oftmals ist diese vermeintliche Gratis-Beigabe ohne große Anstrengung auffindbar, entdeckbar und anwendbar. Licht ist nicht wirklich scheu oder gar verschreckt. Licht ist eher facettenreich, spannend und einfach einzusetzen.
Folglich sollen alle ersten Überlegungen zu einem neuen Haus eng mit den Aspekten des Lichts abgestimmt werden. Der Umgang dieser ist zwangsläufig ein elementarer und unverzichtbarer Bestandteil in jeder Konzeptfindung, ganz egal um welchen Gebäude-Typus es sich handelt.
Gebäude von hoher räumlicher und identitätsstiftender Qualität können so entstehen. Das Licht muss nicht explizit erläutert und allzu pädagogisch unterrichtet werden. Vielmehr werden Nutzer schnell erkennen, ob die Planer über ein grundlegendes Verständnis verfügen und sie sich einen offenen und progressiven Umgang für diese Überlegungen angeeignet haben.
Vordergründig müsste weniger an eine quantitative Licht-Matrix gedacht werden. Sinnvoller könnte die qualitative Präsenz von Licht einen positiv nachhaltigen Beitrag zur Einzigartigkeit jedes Architektur-Projekts leisten. 

Myriam Gautschi, Architektin und Professorin an der Uni HTWG, Konstanz
Das Schaffen von Raum ist von jeher untrennbar mit einer Vorstellung des Lichtes im Raum verbunden. Licht ist dadurch nicht nur Funktion, messbar und rational erklärbar, Licht ist vielmehr ein Bedeutungsträger, der im wahrsten Sinne des Wortes neue Bedeutungen, Assoziationen, ja Welten schaffen und eröffnen kann. Das Verhältnis von Licht und Raum ist sowohl Spiegel des Ortes und seiner klimatischen Bedingungen, als auch der Gesellschaft und seiner Kultur. Folglich ist das Bedenken von Licht bereits bei den ersten konzeptionellen Überlegungen notwendig.

Zum Licht gehört, untrennbar verbunden, der Schatten wiederum ohne Unterschied, ob als ‚Bruder’ des Tageslichtes oder des Kunstlichtes. Der Schatten erst lässt die Materialität einer Wand, eines Bodens, einer Decke spürbar werden. Gemeinsam schaffen Licht und Schatten die Atmosphäre eines Raumes. Rational betrachtet ist der Schatten jedoch auch Werkzeug der Erkenntnis, denn er versteckt nicht nur, er offenbart gleichzeitig. Aus Schatten lernen wir, zum Beispiel die Position eines Objektes in Raum und Zeit zu verstehen. Tanizaki Jun’ichiro sensibilisiert uns ins seinem Büchlein Lob des Schattens, aus dem Dunkeln heraus, Raum zu gestalten und im Dunkeln dem Raum sein Geheimnis zu belassen. Erst der Nutzer wird in seiner subjektiven Wahrnehmung Licht und Schatten wieder eins werden lassen.Kurz zusammengefasst als Architektin und Lehrende: Raum schaffen, bedeutet Licht denken und Schatten zeichnen – vom ersten Strich an.

Daniel Leuthold und Julia Röder, nuak Architekten, Zürich (Foto Frédérik Urben)
Die Beziehung zum Licht ist stark kulturell geprägt und abhängig von den klimatischen Bedingungen. In unserem Kontext zeugt diese Beziehung von einer grossen Sehnsucht nach Sonne und Tageslicht. Bereits in der städtebaulichen Setzung und der Entwicklung der Volumetrie erhält das Tageslicht so eine besondere Bedeutung in unserer Architektur. Eine neue Relevanz erreicht das Tageslicht unter dem Aspekt der Verdichtung der Städte und dem nachhaltigen Umgang mit der Ressource Sonnenenergie.

Den Zeitpunkt zu bezeichnen, wann die Lichtplanung in unseren Projekten relevant wird, ist hingegen etwas schwieriger. Die Lichtplanung setzt meist dort an, wo die Tageslichtplanung aufhört, das heisst sobald Volumetrie und Grundriss in ihren Grundzügen definiert sind und die Atmosphäre der Innenräume ausformuliert wird. Das Farb- und Materialkonzept bildet den Rahmen und das Gefäss, die Beleuchtung zusammen mit Fachexperten zu entwickeln und festzuhalten. Diese Stringenz ist jedoch nicht immer gegeben. Ideen für eine gezielte Akzentbeleuchtung, welche die architektonische Aussage unterstreichen, entstehen häufig bereits während der Formgebung und werden dann zu einem späteren Zeitpunkt überprüft und präzisiert. Zudem fordern Zertifizierungen heute schon frühe Aussagen zum Beleuchtungskonzept mit der Gefahr die Gestaltungsmöglichkeiten einzugrenzen. Dieser Herausforderung müssen wir uns als Architekten stellen, indem gestalterische Ziele früh festgesteckt und stets im Blickfeld behalten werden.

 

Ernst Ulrich Tillmanns, 4a Architekten GmbH, Stuttgart / Moskau (Foto: Uwe Ditz)
Licht ist für unsere Projekte ein wichtiges Gestaltungsmittel. Bewusst eingesetzt, trägt es entscheidend dazu bei, das architektonische Konzept zu unterstreichen und die Qualität von Gebäuden zu verbessern. Da unsere Projekten oftmals im Dialog mit der umgebenden Landschaft stehen, fließt das Thema Tageslicht bereits in der frühen Entwurfsphase in die Planung ein. Beispielsweise bedingen transparente Fassadenflächen, die einen fliessenden Übergang von Innen- und Außenraum schaffen, eine intensive Auseinandersetzung mit Tageslicht. Gleichermaßen gibt es Bereiche, in denen eine gewisse Dunkelheit und Intimität erwünscht ist wie beispielsweise im Saunabereich von Thermen. Diese Fragestellungen begegnen uns von Anfang an und spielen bereits in der Entwurfsphase eine entscheidende Rolle. Auch kann Licht, gezielt eingesetzt, das architektonische Konzept unterstützen – das gilt gleichermaßen für natürliches wie künstliches Licht. Kunstlicht trägt maßgeblich dazu bei, eine hohe Aufenthaltsqualität in Gebäuden zu schaffen und eine gute Orientierung sicherzustellen. Darüber hinaus kann der gezielte Einsatz von künstlichem Licht Räumen eine gewünschte Atmosphäre verleihen, Stimmungen zu erzeugen oder bestimmte Bereiche und Materialien zu inszenieren. Aus diesem Grund ist das Kunstlicht bei der Planung von Gebäuden dem natürlichen Licht zeitlich nachgeordnet, jedoch keineswegs in seiner Bedeutung. Gut belichtete Räume fördern das Wohlbefinden und gewährleisten einen optimalen Nutzerkomfort. Das Zusammenspiel von Architektur und Licht verleiht Räumen besondere Identität und erfordert über das Berechnen und die Auswahl der Leuchten hinaus einen sensiblen Umgang mit dem Medium Licht.